So hilft die Brennerei Habbel aus Sprockhövel in der Corona-Krise

Normalerweise brennen Michaela und Michael Habbel in ihrer Destillerie Whisky. Doch in Zeiten von Corona beheben sie lieber einen Mangel – und stellen reinen Alkohol her. So können Apotheken in der Umgebung Desinfektionsmittel herstellen, das in Krankenhäusern und Pflegeheimen dringend benötigt wird.

Es gibt kaum eine Apotheke, kaum eine Drogerie, die dieser Tage nicht darauf hinweist: Desinfektionsmittel ist ausverkauft – und kann in absehbarer Zeit nicht geliefert werden. Die Nachfrage nach Mitteln, um Hände und Gegenstände zu desinfizieren, ist mit der Corona-Pandemie sprunghaft angestiegen. Die Hersteller kommen nicht nach. Auch weil ein wichtiger Bestandteil knapp geworden ist: Ethanol, oder schlicht gesagt: Alkohol.

Das ist auch in Ruhrgebiet nicht anders. Und während auf der ganzen Welt große Getränkekonzerne ihre Alkohol-Vorräte abgeben, brennt die Brennerei Habbel in Sprockhövel nun keinen Whisky mehr, sondern destilliert reinen Alkohol. Etwa 1000 Liter kommen dabei in der Woche zusammen, sagt der Inhaber des Familienbetriebs, Michael Habbel. Das reicht, um knapp 60 der umliegenden Apotheken mit Ethanol zu versorgen. Diese stellen daraus selbst Desinfektionsmittel her, um den großen Bedarf in Arztpraxen, Pflegeheime oder Krankenhäuser zu decken. Dafür haben sie derzeit eine Ausnahmeregelunge bekommen.

Mit ihrer neuen Arbeit sorgt die Brennerei Habbel dafür, dass sich die Mitarbeiter in Gesundheitsberufen besser gegen Gefahren der Corona-Pandemie schützen können. All das wäre nicht möglich, hätten die Habbels nicht eine alte Kornbrandanlage, mit der Alkohol so hochprozentig destilliert werden kann. Eine gewöhnliche Obstbrandanlage könnte das nicht leisten. Überhaupt: Die meisten Brennereien kaufen den Alkohol zu, weil sie ihn nicht so kostengünstig selbst produzieren könnten. So ist die Brennerei Habbel eine der wenigen Betriebe, die die Anforderungen an den Alkohol erfüllen können.

Es sei eine neue Situation, sagt Habbel. Nicht nur für ihn und seinen Betrieb, sondern für alle in Deutschland. Und solange das so ist, könnten sie ja immerhin was Gutes tun, findet Michael Habbel.

Für das Familienunternehmen, das seit 1878 in Sprockhövel ansässig ist, bedeuten diese Ausnahmeregelungen zudem ein wenig Einnahmen, immerhin. Denn der Umsatz mit Whisky, Obstbränden und Likören ist auf ein Drittel gesunken. Normalerweise beziehen viele Gastronomen die Produkte der Brennerei. Doch die Gaststätten haben nun alle geschlossen, die großen Bestellungen in Sprockhövel bleiben damit aus. Nur die Online-Bestellungen von Privatpersonen haben etwas zugenommen. Michael Habbel und seine Tochter Michaela Habbel, die vierte Generation im Unternehmen, haben seit dem 1. April für zwei Drittel der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet. "Wir versuchen, die Zeit gut zu überstehen, und hinterher wieder normal weiterarbeiten zu können", sagt der Inhaber. 

Der Arbeitsalltag habe sich in der kurzen Zeit schnell verändert, erzählt Habbel. Ruhiger sei es geworden. Und die Mitarbeiter bilden nun zwei Teams, die sich nicht begegnen dürfen. Sollte es in einem der Teams eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus geben, müsste auf diese Weise nur das betroffene Team in Quarantäne. So kann die Brennerei ihren Betrieb aufrechterhalten – und auch in den kommenden Wochen sicherstellen, dass die Apotheken in der Umgebung weiter das dringend benötigte Desinfektionsmittel herstellen können.

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