Immobilien-Hotspot Ruhrgebiet

Die Nachfrage nach Immobilien boomt in der Metropole Ruhr. Das Europäische Bildungszentrum der Wohnungswirtschaft und Immobilienwirtschaft (EBZ) in Bochum entwickelt Lösungen für die gegenwärtigen Herausforderungen der Immobilienbranche.

Andreas Krys schreibt regelmäßig sein Curriculum um – damit seine Lehrinhalte den Anforderungen, die der Immobilienmarkt an Fachkräfte und Führungskräfte stellt, optimal entsprechen. Er hat die Immobilienwirtschaft ganzheitlich im Blick, denn er betrachtet sie aus drei verschiedenen Perspektiven: aus der eines Professors für Architektur und Projektentwicklung, aus der eines Architekten in der Projektentwicklungspraxis und aus der eines Aufsichtsratsvorsitzenden einer Wohnungsbaugenossenschaft.

"Das Ruhrgebiet war viele Jahre lang ziemlich unterschätzt", sagt Krys. "Mittlerweile sind allerdings auch viele Projektentwickler*innen und Unternehmen aus vermeintlich attraktiveren Standorten wie Düsseldorf oder Köln ins Ruhrgebiet gegangen und schauen sich hier nach Immobilienoptionen um. Das Ruhrgebiet ist erschwinglicher und auch die Verkehrssituation wird heute nicht mehr primär als Verursacher von Staus betrachtet – sondern als gute Infrastruktur und somit als klarer Standortvorteil."

Standortvorteil Ruhrgebiet

Das Europäische Bildungszentrum der Wohnungswirtschaft und Immobilienwirtschaft (EBZ), an dem Andreas Krys lehrt, hat seinen Sitz in Bochum. Das ist kein Zufall: Nordrhein-Westfalen ist das größte Bundesland mit den meisten Einwohner*innen – somit gibt es hier viele Immobilien, in denen die Menschen wohnen und arbeiten. Entsprechend viele Unternehmen gibt es in der Metropole Ruhr, die diese Immobilien bewirtschaften, entwickeln oder neu bauen: Der Wohnungsanbieter Vivawest in Gelsenkirchen beispielsweise verwaltet mehr als 120.00 Wohnungen im Ruhrgebiet, der Immobilienkonzern Vonovia hat seinen Sitz in Bochum. Auch die großen Berufsverbände der Immobilienwirtschaft wie der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen und der Bundesverband freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen sind hier vertreten. Sie alle sind Träger der Stiftung EBZ.  

Hohes Renditepotenzial für Immobilien im Ruhrgebiet

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Bei Immobilieninvestitionen bietet die Metropole Ruhr im Vergleich zu anderen deutschen Metropolregionen die Chance auf einen überdurchschnittlich hohen Wertzuwachs.

Die großen Herausforderungen der Immobilienwirtschaft

Das EBZ sucht nach Lösungen für die Herausforderungen, vor denen die Immobilienwirtschaft derzeit steht. Eine davon ist die Realisierung von Bauprojekten: "Um den Bedarf an Wohnraum zu decken, bräuchten wir etwa 400.000 neue Wohneinheiten, manchen Einschätzungen zufolge sogar 700.000", sagt Krys. Das allein sei herausfordernd, denn: "Einerseits wollen wir keine neuen Flächen versiegeln, andererseits sind die Bestände oft energetisch nicht besonders nachhaltig. Genehmigungszeiten von bis zu zehn Jahren für einen Bebauungsplan sind derzeit keine Seltenheit."

Dadurch werde auch die Finanzierung von Bauprojekten mehr und mehr zum Risiko. Der Einschätzung von Andreas Krys zufolgefunktionieren weite Teile der Immobilienwirtschaft derzeit nur noch mit Hilfe von Förderprogrammen. Deshalb arbeitet er derzeit für das Bauministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen an einer Studie, die einen Überblick über die Förderlandschaft in Deutschland geben soll.

Alle Bauprojekte müssen darüber hinaus taxoniekonform ablaufen: Zu Beginn des Jahres 2023 ist die "Taxonomieverordnung" der Europäischen Union mit genauen Kriterien zum ökologisch nachhaltigen Wirtschaften in Kraft getreten. Sie ist ein wichtiger Baustein des "European Green Deal", mit dem die Staatengemeinschaft bis 2050 klimaneutral werden will. Damit Genehmigungen für die Projekte umgesetzt werden, mangelt es allerdings an Fachkräften.

Viele Aufgaben, wenig Personal

Im Rahmen der "EBZ Personalentwickungsstudie" hat das EBZ das Forschungsinstitut InWIS damit beauftragt, Unternehmen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft zu Themen der beruflichen Bildung und Personalentwicklung zu befragen. Die Studie zeigt: Ein Großteil der Führungskräfte und viele Fachkräfte der Branche scheiden aus – und kommen nicht im erforderlichen Umfang nach. "Das hat nicht nur demografische Gründe", erklärt Andreas Krys. "Projektentwicklung war früher ein sehr kaufmännischer Zweig. Wir merken allerdings, dass er mittlerweile immer technischer wird. Die Studie zeigt, dass 81 Prozent der Unternehmen massive Probleme haben, technisch versierte Mitarbeiter zu bekommen."

Das EBZ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Fachkräfte auszubilden, die für die Anforderungen des Immobilienmarktes erforderlich sind. Mit Zertifikatslehrgängen, Qualifizierungsprogrammen, Fachtagungen und Arbeitskreisen, berufsbegleitenden Studiengängen und weiteren Bildungsangeboten; immer mit starkem Praxisbezug. Die Angebote richten sich an alle Akteure der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft: An Auszubildende und Mitarbeiter*innen, Führungskräfte und Aufsichtsrät*innen von Wohnungsunternehmen, Bauträger*innen, Banken, Makler*innen, Hausverwaltungen und Dienstleister*innen.

Optimistischer Ausblick

Der Bedarf an Fachkräften im Ruhrgebiet ist hoch – und die Herausforderungen an die Immobilienbranche sind es auch. Doch vielen hier ansässigen Player arbeiten immer vernetzter. Andreas Krys ist daher optimistisch: "Ich sehe in der Branche die Bereitschaft, viel offener und früher miteinander ins Gespräch zu kommen und Wissen auszutauschen, um Lösungen zu finden. Das geht im Ruhrgebiet besonders gut. Es gibt ja den Spruch: Der Westfale muss das halten, was der Rheinländer verspricht. Aufgrund ihrer Mentalität eignet sich die Gegend hier hervorragend als Mittler." Daher tut sich derzeit in der Metropole Ruhr eine Menge, findet Krys: "Die Rahmenbedingungen sind momentan zwar schwierig, aber ich sehe viele gute Ideen und Ansätze. Vielleicht erleben wir gerade eine zweite Bauhaus-Zeit – das Institut ist schließlich auch in einer Krisenzeit entstanden und nicht in der satten Gründerzeit."

+++ zur Person +++

Andreas Krys studierte Architektur in Münster und an der Kunstakademie in Düsseldorf. 1999 war Mitgründer des Architekturbüros bk|a bleckmann & krys. Nach der Selbständigkeit war er als Geschäftsführer und Partner in der agn Generalplaner Gruppe tätig. Seit 2022 ist er Assoziierter Partner bei MAAS & PARTNER Architekten in Münster. Darüber hinaus ist er Aufsichtsratsvorsitzender einer Wohnungsbaugenossenschaft der WOGEDO/Düsseldorf. Seit 2016 ist Andreas Krys Professor für Architektur und Projektentwicklung an die EBZ Business School in Bochum. Zwischen 2022 kam die Aufgabe als EBZ Hochschulambassador am ICG-Institute for Corporate Governance hinzu.

Foto Header: Andreas Buck. Foto "Zur Person": EBZ

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