„Wir fördern Geschäftsideen, von denen die Gesellschaft profitiert“

Beim sozialen Unternehmertum geht es nicht nur ums Geld verdienen: Auch die Allgemeinheit gewinnt. greenhouse.ruhr unterstützt gezielt soziale und nachhaltige Start-ups.

"Greenhouse" ist Englisch und bedeutet übersetzt: Treibhaus. Aber im greenhouse.ruhr in Dortmund wachsen keine Pflanzen heran, sondern Start-ups. Die erste Runde des Förderprogramms für sozial und ökologisch orientierte Gründer*innen ist abgeschlossen, jetzt steht der nächste Jahrgang in den Startlöchern. Was sie bei greenhouse.ruhr erwartet, erklärt Arne Elias, Leiter Social Innovation Center der Wirtschaftsförderung Dortmund.

Herr Elias, was genau macht greenhouse.ruhr?

Wir unterstützen sozial und ökologisch orientierte Gründer*innen aus der Region dabei, ihre Geschäftsideen zu entwickeln. Damit wollen wir die Strukturen für sozial orientierte Unternehmen stärken. Bei Social Entrepreneurship geht es nicht in erster Linie darum, viel Geld zu verdienen, sondern mit seinem Unternehmen etwas zu bewirken, von dem die Gesellschaft profitiert. Unser Anliegen ist es, Menschen mit solchen Geschäftsideen in unserer Stadt zusammenzubringen und ihre Ideen zu fördern. Dafür haben wir im vergangenen Jahr das Stipendienprogramm greenhouse.ruhr gestartet. Es bietet den Teilnehmer*innen im Zeitraum von vier Monaten professionelles Coaching, auf den jeweiligen Bedarf zugeschnittene Trainings und einen Wettbewerb mit bis zu 5.000 Euro Preisgeld. Um die Teilnehmer*innen herum bauen wir ein Netzwerk mit Ansprechpartner*innen aus Institutionen und Unternehmen auf. Die Teams tauschen sich auch untereinander aus und können von den Erfahrungen anderer Social Start-ups im Netzwerk profitieren. Wichtig ist uns, dass die Teams am Ende des Programms ein Stück weit krisenfest und gewappnet für die Zukunft sind.

Wie war die Resonanz auf Ihr Angebot?

Das Programm ist auf acht Teams angelegt. Wir wurden überrascht von der Vielzahl der guten Bewerbungen – 40 Teams wollten mitmachen. Die Auswahl fiel uns nicht leicht. Aber wir haben, glaube ich, eine gute Mischung hinbekommen aus Teams, die noch ganz am Anfang stehen und Teams, die schon recht gut etabliert sind. Auch inhaltlich ergab sich ein buntes Bild: Das App-Projekt "Night-Mover" ermöglicht jungen Menschen nachts eine bezahlbare sichere Heimfahrt.  "Green Billbo" akquiriert Werbepartner*innen, die umweltfreundliche Alternativen zur Plastiktüte z.B. aus Bambus, Nutzhanf oder Mais finanzieren. Und das Team "7000 Schmetterlinge" hat das Ziel, Gemeinschaftsgärten zu schaffen.

Dr. Arne Elias, Leiter des Social Innovation Centers und des Stiftungsportals bei der Wirtschaftsförderung Dortmund, bei der Auftaktveranstaltung von greenhouse.ruhr.

Wer steht hinter dem Programm?

Die Wirtschaftsförderung Dortmund hat das Programm in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Dortmund initiiert. Wichtig sind aber auch die Partner*innen und Förderer*innen in unserem Netzwerk, das wir weiter aufbauen wollen. Da sind Finanzpartner*innen, Anwält*innen und etablierte Social Entrepreneurs als Sparringspartner*innen, von denen die teilnehmenden Teams viel lernen können. Eine wichtige Partnerin ist für uns auch die Fair Friends – Deutschlands größte Nachhaltigkeitsmesse in Dortmund, die für dieses Jahr coronabedingt abgesagt worden ist. Gemeinsam mit der Messe Dortmund und Good Profits, einer Vertriebsagentur für soziale Unternehmen, veranstalten wir Mitte August aber den Fachkongress "Impact Friends" zu den Themen Social Entrepreneurship, soziale Innovationen und nachhaltiges Unternehmertum.

Wie geht es weiter mit greenhouse.ruhr?

Nach dem großen Zuspruch in der ersten Runde haben wir aktuell einen neuen Durchgang gestartet. Wer sich bewerben möchte, kann die Unterlagen bis zum 29. August einreichen. Alle Infos zum Ablauf gibt es auf unserer Website. Wir haben schon über 30 Bewerbungen aus Dortmund und der ganzen Region. Das zeigt: Das Ruhrgebiet ist ein attraktives Pflaster für Gründungen, gerade auch im sozialen Bereich. Die Metropole Ruhr hat eine lange Geschichte sozialer Innovationen. Die wollen wir mit greenhouse.ruhr fortschreiben.

Die drei Gewinnerteams der ersten Runde von greenhouse.ruhr

1. Platz: inkluDESIGN

inkluDESIGN ist ein integratives Planungstool für die Quartiersentwicklung. Ziel der Geschäftsidee von Friederike Asche und Daniel Fruhner ist die Partizipation von Menschen mit und ohne Barriere-Erfahrung an der Planung von barrierefreien und inklusiven Gebäuden.

2. Platz: Frau Lose

Das Team hinter Frau Lose betreibt bereits einen „Unverpacktladen“ in der Dortmunder Innenstadt. Mit der neuen Idee von Swenja Reil und allen Mit-Gründerinnen, dem "Frau Lose Mobil", werden unverpackte Nahrungsmittel und Hygieneprodukte auf den Dortmunder Wochenmärkten verkauft. Die Kund*innen können dann bei sich im Viertel einkaufen und sparen Verpackungsmüll.

3. Platz: DO it Up

Die Geschäftsidee von DO it up entstand während der Schulschließungen in der Corona-Pandemie.  Das Team macht alte Laptops und Computer wieder funktionsfähig und verteilt sie an Schüler*innen, deren Familien sich diese nicht leisten können. Das ermöglicht mehr digitale Teilhabe und begeistert zugleich für das Thema Hardware-Upcycling.

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