Mit Wasserstoff zur klimaneutralen Logistik

Bei der Energiewende wird Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen. Der Duisburger Hafen könnte ein zentraler Knotenpunkt der H2-Infrastruktur werden und ist dabei, sich zur klimaneutralen Logistikdrehscheibe zu entwickeln.

Die Klimakrise stellt Länder in aller Welt vor große Herausforderungen: Vor allem hoch entwickelte Industriestaaten wie Deutschland müssen ihren hohen CO2-Ausstoß radikal reduzieren, wenn sie die in Paris beschlossenen internationalen Klimaziele erreichen wollen. Viele Expert*innen sind überzeugt, dass grüner Wasserstoff, der durch erneuerbare Energien gewonnen wird, als Energiespeicher und Treibstoff eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen kann. Die EU, Deutschland und auch Nordrhein-Westfalen wollen H2-Technologien zum Durchbruch verhelfen. Als Industrie- und Energieregion hat die Metropole Ruhr viele Kompetenzen im Umgang mit Wasserstoff. Ein bedeutender H2-Hub in der Region könnte der Duisburger Hafen (duisport) werden. „Das Thema Wasserstoff stellt einen zentralen Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie dar“, sagt Erich Staake, Vorstandsvorsitzender von duisport. Eines der vorrangigen Projekte sei es, am Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur in den Rheinhäfen mitzuarbeiten.

Rund 20.000 Schiffe jährlich werden im duisport be- und entladen. Foto: Oliver Tjaden / Foto oben: Hans Blossey

Der größte Binnenhafen der Welt ist Umschlagplatz für Millionen Container

Der Duisburger Hafen an der Mündung der Ruhr in den Rhein ist der größte Binnenhafen der Welt und eine wichtige europäische Logistikdrehscheibe. In einem Radius von 150 Kilometern leben 30 Millionen Menschen. Das Hafengelände ist 1550 Hektar groß, das sind rund 2170 Fußballfelder. Pro Jahr werden hier mehr als 20.000 Schiffe und 25.000 Züge abgefertigt und mehrere Millionen Container umgeschlagen. „Wasserstoff kann in ganz unterschiedlichen Bereichen einen Beitrag dazu leisten, CO2-Emissionen einzusparen“, sagt Alexander Garbar, stellvertretender Leiter Unternehmensentwicklung und Strategie duisport. „Ein bedeutender Bereich ist die Mobilität. Das betrifft bei uns vor allem Lkw, Züge und natürlich die Binnenschiffe. Ein wichtiger Baustein ist für uns die Mitarbeit an dem Projekt RH2INE.“

In zehn Jahren sollen bereits 100 H2-Schiffe auf dem Rhein fahren

RH2INE steht für Rhine Hydrogen Integration Network of Excellence. Dieses von der EU geförderte Projekt sieht langfristig den Aufbau einer H2-Infrastruktur entlang der Wasserstraßen von Rotterdam bis Genua vor. Für Kickstart-Studien im Rahmen von RH2INE hat die EU-Kommission im Juli 2020 einen Zuschuss in Höhe von 500.000 Euro bewilligt. Neben duisport beteiligen sich auch die niederländische Provinz Zuid-Holland, das Bundesland Nordrhein-Westfalen sowie die Häfen Rotterdam und RheinCargo (Köln, Neuss-Düsseldorf) an dem Projekt. Zunächst wird untersucht, wie die beteiligten Häfen Wasserstoff beziehen, lagern und an die unterschiedlichen Nutzer*innen weitergeben könnten. Eines der Ziele ist der Einsatz von 100 mit Wasserstoff betriebenen Schiffen auf dem Rhein bis 2030. Ein weiteres Ziel ist der Einsatz von Rangierloks und Lkw, die Wasserstoff statt Diesel nutzen. Diese sollen mittels einer Wasserstofftankstelle auf dem Hafengelände betankt werden.

Rund 25.000 Züge jährlich werden im Duisburger Hafen abgefertigt. Foto: duisport

An der Wasserstoff-Infrastruktur arbeiten viele Akteure gemeinsam

Wichtig bei dem Projekt sei die Zusammenarbeit mit anderen Partnern, betont Garbar. „Auch wenn wir selber keinen Wasserstoff produzieren werden, werden wir bei Bedarf alle notwendigen Schritte einleiten, um die Errichtung einer Elektrolyseanlage im Hafen zu ermöglichen.“ Eine andere Möglichkeit, an ausreichende Mengen Wasserstoff zu kommen, sei es, eine Pipeline zu nutzen. Mit anderen Ruhr-Unternehmen sei man bereits im Gespräch, zum Beispiel mit den Konzernen, die im Rahmen des Projekts „Get H2 Nukleus“ eine Wasserstoff-Infrastruktur aufbauen. Sie soll Wasserstoff, der mit der Energie von niedersächsischen Windparks in Lingen produziert wird, über eine Pipeline ins Ruhrgebiet transportieren. Beteiligt sind unter anderem die Ruhr-Schwergewichte RWE, Evonik, Open Grid Europe und Thyssengas. „Es verlaufen bereits zahlreiche Erdgasleistungen in direkter Nähe zum Duisburger Hafen. Einige davon sollen in Zukunft auf Wasserstoff umgestellt werden und so die Anbindung des Duisburger Hafens per Wasserstoff-Pipeline gewährleisten“, sagt Garbar.

Die Kooperation mit der Wissenschaft funktioniert in der Region

Auch mit den regionalen Forschungsinstituten mit Wasserstoff-Kompetenz arbeitet duisport eng zusammen, beispielsweise mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen. Im Rahmen des Projekts enerPort entsteht erstmals ein Gesamtkonzept zur Energienutzung und -versorgung des Areals – und zwar in Bezug auf Herausforderungen der Energiewende. Auch mit dem Duisburger Zentrum für BrennstoffzellenTechnik (ZBT) arbeitet duisport zusammen. ZBT-Leiterin Prof. Angelika Heinzel attestiert dem Hafen großes Potenzial als H2-Hub. „Wenn die Schifffahrt CO2-neutral unterwegs sein soll, sind Logistikhubs wie der Duisburger Hafen wichtige Akteure. Wenn hier ein Knotenpunkt für die Versorgung mit CO2-neutralen Kraftstoffen entsteht, ist die Wirkung groß: Schiffe und Lkw können betankt werden, aber auch die Hafenlogistik profitiert.“ Generell sei die Bereitschaft in der Metropole Ruhr groß, sich auf neue Wasserstoff-Technologien einzulassen. Die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft funktioniere gut. „Der ständig andauernde Strukturwandel in der Region bringt viel Übung“, sagt Heinzel. Daher sieht die ZBT-Chefin gute Chancen, dass sich die Metropole Ruhr zu einer führenden Wasserstoff-Region entwickeln kann.

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