Digitale Verstärkung für Gesundheitsämter

Zehntausende Telefonate hätten die Mitarbeiter*innen im Gesundheitsamt Dortmund seit Beginn der Corona-Krise führen sollen – gemäß behördlichen Vorgaben. Tatsächlich machbar war nur ein Bruchteil. Was Gesundheitsämter bei einzelnen Quarantäne-Fällen gut leisten können, sprengt in der Covid-19-Pandemie schnell die Belastungsgrenzen. Vom Dortmunder IT-Dienstleister Materna kommt nun digitale Unterstützung: GESA.

Dortmund hat sich bei der Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie bisher gut geschlagen. Das liegt auch daran, dass das Gesundheitsamt der Stadt personell gut aufgestellt ist – im Gegensatz zu den Behörden vieler anderer deutscher Städte und Kommunen. Doch die Quarantäne-Lage ist in Zeiten von Corona dennoch angespannt. Auch in Dortmund.

Rund 1300 bestätigte Corona-Infektionen gibt es seit Beginn der Pandemie in Dortmund (Stand: August 2020). Aufgrund der Inkubationszeit des Virus werden neben den Betroffenen auch deren Kontaktpersonen isoliert. So summieren sich die Menschen in häuslicher Quarantäne auf mehrere tausend Menschen. Die Herausforderung: Die Mitarbeiter*innen des Gesundheitsamts müssen den körperlichen Zustand aller isolierten Personen regelmäßig abfragen und für jede einzelne ein sogenanntes Quarantäne-Tagebuch führen.

Bisher geschah das telefonisch – mangels Alternative. Mehrere tausend Quarantäne-Fälle erfordern laut Lehrbuch zehntausende Anrufe. „Anhand dieser Zahl lässt sich nachvollziehen, wie viel Aufwand die Behörde betreiben muss“, erklärt Birgit Zoerner, Leiterin des Krisenstabs und Gesundheitsdezernentin der Stadt Dortmund. Selbst wenn alle anderen Tätigkeiten zurückgestellt werden, reichen die Kapazitäten nicht. Dabei stehen die Telefone in den Gesundheitsämtern ohnehin kaum still. Viele Menschen suchen in der Krise Rat.

Digitales Monitoring von Quarantänefällen

Das Dortmunder IT-Unternehmen Materna Information & Communications SE hat den dringenden Bedarf erkannt und innerhalb von zwei Monaten eine digitale Lösung entwickelt: GESA, die Gesundheits-Status-App. Das Tool ist eine Kombination aus einer Smartphone-App für Android- sowie Apple-Geräte und der zugehörigen Web-Anwendung zur Verwaltung der Quarantäne-Fälle im Amt. Das notwendige Fachwissen kam direkt vom Dortmunder Gesundheitsamt, wo GESA seit Juni erstmals eingesetzt wird.

Und so funktioniert GESA: Das Gesundheitsamt erstellt zu jeder Quarantäne-Anordnung eine Fallakte im System. Betroffene erhalten eine Quarantäneverfügung, die sie zugleich für die Nutzung der GESA-App freischaltet und sie dort über eine eindeutige ID plus PIN identifiziert. Die Nutzer*innen der mobilen App geben dann täglich selbständig ihr Befinden an und markieren in einer intuitiven Abfrage auftretende Symptome wie Fieber, Atemprobleme oder Geschmacksverlust. Das digitale Quarantäne-Tagebuch errechnet aus den Angaben einen Score mit drei Warnstufen – analog einer Ampel. So können Mitarbeiter*innen im Gesundheitsamt auf einen Blick milde oder asymptomatische von schweren Krankheitsverläufen unterscheiden und bei auffälligen Werten zielgerichtet Kontakt aufnehmen.

Dank des Ampelsystems können Mitarbeiter*innen im Gesundheitsamt zielgerichtet auf die Patient*innen zugehen, die Unterstützung benötigen.

Individueller Kontakt bei akuten Anliegen

Neben der personellen Entlastung und dem umfassenden Datenüberblick auf Behördenseite biete das Tool auch den App-Nutzer*innen Vorteile, betont Rainer Feinen, Abteilungsleiter Healthcare bei Materna. Der tägliche Eintrag kann zur Wunschzeit erfolgen und ein individueller Quarantäne-Countdown zeigt die verbleibende Zeit in Isolation an. Ein persönlicher Kontakt zum Gesundheitsamt bleibt dabei immer möglich. Nicht digital-affine Personen können ihren Gesundheitsstatus nach wie vor telefonisch übermitteln. Auch diese Informationen werden im System dokumentiert.

Die technische Umsetzung der Quarantäne-Verwaltung orientiert sich strikt an den Empfehlungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die Datenübertragung vom Smartphone der Quarantäne-Patienten erfolgt verschlüsselt und nicht personenbezogen. Die Datenhoheit liegt ausschließlich beim Gesundheitsamt. Zudem wird die App nach Ende der Quarantäne für Dateneingaben gesperrt und alle erfassten Daten drei Monate später auch im System des Amts anonymisiert. Sie stehen dann nur noch für epidemiologische Auswertungen zur Verfügung. Die Materna-Gruppe plant, GESA zukünftig mit Schnittstellen zu beispielsweise vom Robert-Koch-Institut (RKI) verwendeten Infektionsschutz-Meldesystemen wie SurvNet oder Octoware weiterzuentwickeln.

Corona treibt Digitalisierung in Behörden voran

Das Dortmunder Unternehmen sieht sich als Impulsgeber für die digitale Transformation im Verteidigungs-, E-Healthcare-Sektor und bei der Verwaltung. Die Corona-Pandemie hat der notwendigen Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung nun zusätzlichen Auftrieb gegeben. GESA ist daher modular aufgebaut, lässt sich individuell anpassen an unterschiedliche Verfahrensweisen und sich auch für die Verwaltung anderer meldepflichtiger Indikationen und Erkrankungen verwenden, wie Tuberkulose oder Masern. Materna bietet die Lösung kommerziell an für alle Gesundheitsämter in Deutschland. Das Preismodell orientiert sich dabei laut Martin Wibbe, dem Vorstandsvorsitzenden von Materna, unter anderem an der Größe der jeweiligen Stadt oder Kommune.

Dem Dortmunder Gesundheitsamt steht GESA kostenfrei zur Verfügung: aufgrund der Entwicklungspartnerschaft und der engen Verbundenheit mit der Stadt Dortmund, seit 40 Jahren Standort der Unternehmenszentrale von Materna.

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