Wie eine App den Gastro-Alltag für alle erleichtert

Seit die Corona-Beschränkungen etwas gelockert sind, haben viele Gastronomiebetriebe wieder geöffnet. Für den Fall, dass sich Menschen mit dem Coronavirus anstecken sollten, müssen die Ladeninhaber*innen Daten erheben. Das Land verlangt dafür Zettel und Stift. Kevin Kuhn von der Eisdiele I AM LOVE nutzt lieber Recover – eine App, die in Zusammenarbeit von Start-ups aus dem Ruhrgebiet und der Rhein-Region entstanden ist.

Wer sich bei I AM LOVE in Bochum eine Kugel Yolorette, Gurken-Milcheis oder ganz klassisch Pistazie gönnt und sich dazu in das helle Ladenlokal setzen will, der muss zunächst zu Zettel und Stift greifen. Das Land NRW fordert von Ladeninhabern*innen neben hohen Auflagen, die Daten ihrer Gäste zu erheben. Falls jemand mit dem Coronavirus infiziert ist und andere anstecken könnte, soll auf diese Weise die Ansteckungskette nachvollzogen werden – und die Verbreitung eingedämmt werden. Name, Telefonnummer, Anschrift: Erst wenn die Daten notiert sind, gibt es in der Eisdiele von Kevin Kuhn ein Eis am Platz.

Zettel abheften, archivieren, Stifte nach jedem Gebrauch desinfizieren: Zettelwirtschaft bedeutet für Kuhn mehr Aufwand. Und auch für die Gäste gibt es eine kontaktlose Möglichkeit, sich bei I AM LOVE als Gast zu registrieren. Kuhn nutzt deswegen in seinem Laden, fünf Gehminuten entfernt vom Schauspielhaus Bochum, die App Recover. 

So funktioniert die App Recover
  • Auf den Tischen der gastronomischen Betriebe sind kleine QR-Codes angebracht.
  • Wer sich als Gast an den Tisch setzt, scannt den QR-Code mit der Kamera seines Smartphones.
  • Der QR-Code linkt auf die App-Adresse und fragt die vom Land NRW geforderten Daten ab.
  • Gleichzeitig notiert die App, um welche Uhrzeit der Gast eingecheckt hat und an welchen Tisch er sich gesetzt hat. 
  • All diese Daten werden direkt auf dem Smartphone gespeichert und von dort an die Gastronom*innen übermittelt – allerdings in Form einer digitalen Nachricht, die verschlüsselt ist. Sie kann nur dann geöffnet und entschlüsselt werden, wenn das Gesundheitsamt die Daten offiziell anfragt, um mögliche Corona-Infektionen nachzuverfolgen.
  • Ist jemand erkrankt, der sich zur selben Zeit im Geschäft aufgehalten hat, wird den App-Users im Browser angezeigt, dass sie eventuell mit einer infizierten Person in Kontakt gekommen sind. So können sie den Verdacht auf eine Erkrankung abklären. 
Wenn wir digitale Lösungen wollen, dann müssen wir jetzt handeln.
Jan Kus, Co-Founder & CEO Railslove und Erfinder der App Recover

Entwickelt hat die App das Start-up Railslove aus Köln – in nur wenigen Tagen. Als die Landespolitik ihre Bedingungen für die Wiedereröffnung von Gastronomiebetrieben und anderen kleinen Läden öffentlich machte, folgten zwei Tage und Nächte Programmierung – und bekam dabei Support von den befreundeten Gründern des Start-ups 9elements aus Bochum.

Die Kooperation der Start-ups aus dem Ruhrgebiet und der Rhein-Region zeigt: In der Region hält man für die gemeinsame Sache zusammen. Dass auch Kuhn, der in Essen, Witten und Düsseldorf drei weitere Filialen seiner Eisdiele betreibt, mit den 9elements-Gründern befreundet ist, machte es wiederum möglich, die App im Ruhrgebiet schnell in die Praxis zu übertragen. 

Für Railslove-Geschäftsführer Jan Kus bedeutet die Entwicklung der App, mit guten Ideen voranzugehen, wenn es darum geht, den Alltag dort digitaler zu machen, wo es sinnvoll ist. „Wenn wir digitale Lösungen wollen“, sagt Kus, „dann müssen wir jetzt handeln.“ Vor allem aber sieht er seine App als Beitrag zu mehr Datenschutz, den eine Zettelablage nicht sicherstellen könne.

Der Gründer mischt sich deswegen auch ein in die politische Diskussion um die Datensicherheit der Zettel-Abfrage, um den Stand der Digitalisierung in NRW und Deutschland. Auf Facebook und LinkedIn debattiert er mit seiner gut vernetzten Community – und hat so auch bereits die Aufmerksamkeit von Unternehmer und Investor Frank Thelen bekommen, der daraufhin seinerseits für innovative Lösungen warb, wie sie die App Recover bietet. Und auch das Gehör der Landespolitiker hat Kus damit offensichtlich gefunden. Denn seit Ende Mai erlaubt es die aktualisierte Coronaschutzverordnung des Landes NRW explizit auch, die Daten digital zu erheben.

Auch bei den Nutzer*innen kommt die App gut an. In der Eisdiele I AM LOVE von Kevin Kuhn sind es immer mehr Leute, die statt zum Stift lieber zum eigenen Smartphone greifen, um sich zu registrieren. Denn sie wissen: Sollte sich tatsächlich jemand mit Covid-19 infiziert haben, der zur gleichen Zeit in der Eisdiele war, dann wird die App das anzeigen. So kann jeder Verdachtsfall sich in Quarantäne begeben und sich auf die Erkrankung testen lassen. 

In den Filialen von I AM LOVE in Bochum, Essen, Witten und Düsseldorf gibt es nicht nur leckeres Eis.
Gäste können hier auch die App Recover nutzen, um einzuchecken, wenn sie im Laden ein Eis, eine Waffel oder einen Kaffee zu sich nehmen.
Um zur App zu gelangen, ist jeder Tisch mit einem individuellen QR-Code versehen.
Auf diese Weise kann das Gesundheitsamt digital ermitteln, wer sich zur gleichen Zeit im Laden aufgehalten hat, falls sich jemand mit Corona infiziert.
Entwickelt hat die App Recover der Kölner Jan Kus vom Start-up Railslove. Er wollte eine datenschutzkonforme und sichere Lösung für Gastronom*innen und ihre Gäste anbieten.

Für Gastronom*innen, Gäste und das Gesundheitsamt

Das bedeutet auch: Die App bietet nicht nur für Gastronom*innen und ihre Gästen eine verantwortungsvolle und wirtschaftliche Möglichkeit, die Auflagen der Landesregierung zu erfüllen. Recover erleichtert auch dem Gesundheitsamt die Arbeit, Ansteckungsketten nachzuvollziehen.

Jan Kus ist es dabei wichtig, dass möglichst wenig Daten erhoben werden und dass sie sicher verschlüsselt sind. Recover speichert keine Bewegungsprofile und zeichnet auch keine Bewegungsmuster auf. Die Daten werden ausschließlich zum Check-In übermittelt. Damit auch jeder nachvollziehen kann, dass die App sicher ist, hat er den Quelltext der Software veröffentlicht. Wer also prüfen möchte, ob Recover wirklich sicher ist, hat mit der Open Source Software dazu die Möglichkeit. Jan Kus appelliert auch an die Tech-Community: „Jeder kann daran mitwirken, die Software weiterzuentwickeln.“

Wer wie Kevin Kuhn seinen eigenen Laden betreibt und sich Arbeitsaufwand sparen möchte, kann die Anwendung Recover zwei Wochen lang kostenfrei nutzen. Danach beträgt die Nutzungsgebühr 15 Euro je Monat. 

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