Pflegesterne: Hilfe für helfende Hände

Der Personalmangel ist die größte Herausforderung in der Pflegebranche. Und Corona treibt die Arbeitsbelastung auf die Spitze. Auch wenn Politik und Gesellschaft erkannt haben, was Pfleger*innen täglich leisten – die akute Personalnot bleibt. Doch eine Aktion aus dem Ruhrgebiet schafft Abhilfe: Pflegesterne.de entlastet aktiv Pflegende. Mit Taten, statt vieler Worte.

Pflegende sind systemrelevant. Oder anders ausgedrückt: Sie sind eine unverzichtbare Säule im deutschen Gesundheitswesen. In Corona-Zeiten hat sich der Stellenwert von Pflegeberufen in der Öffentlichkeit deutlich verbessert. Pflegekräfte werden in der Krise schließlich mehr denn je gebraucht. Doch die Helfer brauchen selbst Unterstützung – und die geforderte Neujustierung des Gesundheitssystems dauert.

Die contec –  Gesellschaft für Organisationsentwicklung mbH aus Bochum wollte nicht länger warten, sondern ganz praktisch helfen. „Krise schweißt zusammen – das erleben wir seit Ausbruch der Corona-Pandemie anhand vieler Beispiele in der Gesellschaft. Deswegen haben wir mit der Aktion Pflegesterne eine bundesweite Bewegung ins Leben gerufen“, sagt Jan Schröder aus dem Team Innovation und Vernetzung bei contec. Die einfache Idee dahinter? Ehemalige Pflegekräfte reaktivieren, um Alten-, Gesundheits- und Krankenpflegern*innen schnell und unbürokratisch zu helfen – und auf diese Weise das Gesundheitssystem zu entlasten. Das Unternehmen aus dem Ruhrgebiet hat mit dieser Idee namhafte Akteure aus der Sozialwirtschaft gewinnen können und die Initiative gemeinsam mit dem Verband für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft (Vediso e. V.) und dem sozialen Start-up mitunsleben GmbH aufgebaut.

Wenn Not am Mann ist und vor Ort fehlen die Arbeitskräfte, dann unterstütze ich gerne da, wo ich gebraucht werde.
Andreas Räder, Pflegstern

Der erste Schritt: der Aufbau einer Vermittlungsplattform zwischen Einrichtungen mit Personalbedarf und ausgebildeten (ehemaligen) Pflegekräften – den eigentlichen Pflegesternen. Ein Algorithmus verbindet diejenigen, die in der aktuellen Situation helfen wollen, mit regional und fachlich passenden Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Pflegediensten. Einfach registrieren, prüfen und: It’s a match! "Wenn Not am Mann ist und vor Ort fehlen die Arbeitskräfte, dann unterstütze ich gerne da, wo ich gebraucht werde", sagt Andreas Räder. Der 28-Jährige steht kurz vor seinem Master in Medizinmanagement und ist als einer von derzeit mehr als 150 Pflegesternen aktiv. Dabei gewinnen alle Seiten: Die aktiv Pflegenden werden unterstützt, die Pflegesterne verdienen sich unkompliziert ein gutes Gehalt dazu – und die Gepflegten sind besser betreut. 

Theoretisch kann Pflegesterne.de einen Personalbedarf von rund 575.000 ausgebildeten Pflegefachkräften decken, die laut der Initiatoren derzeit nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Ursprünglich war die Plattform eine Idee zur Bewältigung der Corona-Krise im Rahmen des #WirVsVirusHackathon der Bundesregierung. Inzwischen ist „Pflegesterne“ eins von zehn Programmen, denen von mehr als 1500 Projekten besonderes Potenzial bescheinigt wird – und die deshalb für eine besondere Förderung des Bundes ausgewählt wurden. Ziel ist es, die Pflege dauerhaft aufzuwerten. In einem zweiten Schritt wird die Initiative in Zusammenarbeit mit ehemaligen und aktiv Pflegenden zudem zu einer Community-Plattform erweitert.

Denn neben der Personalnot haben Pflegende tagtäglich weitere Herausforderungen zu bewältigen: Sie müssen einfühlsam sein, aber auch konsequent, machen bereichernde und zutiefst bewegende Erfahrungen und tragen dabei immer eine hohe Verantwortung. Für Viele ist Pflege Beruf und Berufung zugleich. Rückhalt, Motivation und Austausch unter Gleichgesinnten sind essenziell. „Pflegesterne“ soll das digitale Zuhause dafür werden – eine breite Bewegung aus der Pflege rund um alle Themen jenseits von Schichtdienst oder Abrechnungssystem.

Neben einem konstruktiven Erfahrungsaustausch soll das erweiterte Angebot der Plattform bald nützliches Pflegewissen umfassen, genauso wie Tipps zur Work-Life-Balance speziell für Pflegekräfte, Best Practices und vieles mehr – alles in einer App, als Team in der Tasche. Durch diese Rückendeckung sollen Pflegende ihrer wichtigen Arbeit gestärkt nachgehen können: helfen. Denn die nächsten Schichten stehen an. Jede helfende Hand wird gebraucht. Auch noch lange nach der Krise.

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