Eine Plattform, die Bürger*innen hilft und Kommunen entlastet

Verwaltung und Behörden sollen digitaler werden. Das wünschen sich nicht nur viele Bürger*innen, das forciert auch die Bundesregierung mit dem Konjunkturpaket. Markus Hertlein und Pascal Manaras vom Start-up XignSys in Gelsenkirchen haben dafür einige Lösungen parat – und entlasten mit einer neuen App schon jetzt Gesundheitseinrichtungen. 

Ein leichtes Halskratzen, ein bisschen Abgeschlagenheit: Was vor einem Jahr viele erst einmal noch ignoriert und als Erkältung abgetan hätten, löst heute die Frage aus: Habe ich Corona oder nicht? Doch getestet wird immer noch nur, wer bereits Kontakt zu Covid-19-Infizierten nachweisen kann. Der Grund: Gesundheitsämter, Ärzt*innen und Krankenhäuser bekommen zu viele Anfragen. Um sie von dem Ansturm zu entlasten und Bürger*innen eine Sicherheit zu bieten, haben die Gründer Markus Hertlein, Pascal Manaras und ihr Team von XignSys aus Gelsenkirchen eine App entwickelt: FlatCurve. In den kommenden Tagen wird sie für die Pilotphase gelauncht.

So funktioniert die FlatCurve-App

  • Über einen digitalen Fragebogen können Nutzende eine erste Einschätzung dazu bekommen, ob sie Symptome des Corona-Virus zeigen. Der Test kann wiederholt werden, sodass ein Tagebuch über den Gesundheitszustand entsteht.
  • Je nach Höhe des eingeschätzten Risikos wird das Ergebnis der Nutzenden in einem Ranking aufgeführt.
  • In der Reihenfolge des Rankings werden in einem Video Chat  Beratungsgespräche mit Vertreter*innen des örtlichen Gesundheitswesens geführt – etwa Ärzt*innen oder Mitarbeitende im Gesundheitsamt.
  • Auf Basis des Gesprächs wird darüber entschieden, ob zeitnah ein Termin für einen Test in der Klinik oder im Gesundheitsamt notwendig ist.
  • Für andere Nutzende wird die Anzahl der infizierten Personen im näheren Umfeld, im persönlichen sozialen Netzwerk, in anonymisierter Form sichtbar.
  • Darüber hinaus können Nutzende miteinander kommunizieren und Hilfsangebote oder -gesuche sichtbar platzieren, etwa für Unterstützung im Haushalt oder beim Einkauf.

Mitte Juni wurde die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts veröffentlicht, die ebenfalls zum Ziel hat, über mögliche Infektionen zu informieren. Sie wurde bereits mehr als 15 Millionen Mal heruntergeladen. Doch FlatCurve ist keine Konkurrenz-App. Im Gegenteil: „Dort, wo die Corona-Warn-App aufhört, fängt unsere App erst an“, sagt Mitgründer und XignSys-CEO Markus Hertlein. Während die Corona-Warn-App anzeigt, ob man als Nutzer*in in Kontakt mit einer infizierten Person gekommen ist, fragt die FlatCurve-App gezielt den Gesundheitszustand ab. 

Die Nutzer*innen bekommen dadurch eine verlässliche Information über ihren Zustand und können im Ernstfall schnell versorgt werden. Dabei hilft ein digitales Wartezimmer, womit Flatcurve zur Plattform für Gesundheitsämter wird und einen stetigen Austausch per Video zwischen Bürger und Kommune erlaubt. 

Krankenhäuser und Arztpraxen können mithilfe dieser Daten ihre Kapazitäten besser planen und vermeiden so eine Überlastung. In der Verwaltung wiederum bedeuten diese Erkenntnisse, dass Testplätze angepasst werden können und das Infektionsgeschehen besser überblickt werden kann. So schafft die App für alle beteiligten Protagonisten Mehrwerte.

Die App soll ein schneller Beitrag sein, Menschen in Corona-Zeiten zu helfen. Möglich war die schnelle Umsetzung innerhalb weniger Wochen aber vor allem aufgrund der guten Vernetzung der XignSys-Unternehmer.

Vier Jahre XignSys

Im Juli 2016 gründen Hertlein und sein Mitgründer Pascal Manaras das Start-up XignSys. Da sind sie noch wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule, wo sie auch ihren Master absolviert haben. Mit ihrem Unternehmen sorgen sie in erster Linie dafür, dass sich Nutzer*innen ohne Passwörter digital identifizieren können. XignIn heißt ihre Technologie, mit der sie Online-Handel, Online-Banking oder Cloud-basierte Dienste einfacher und sicherer machen wollen. Eine Technologie, die auch Behörden und das Land interessiert: So vereint das Servicekonto.NRW inzwischen auf Basis der XignIn-Idee sämtliche E-Government-Anwendungen des Landes. 

XignSys-CEO und Mitgründer Markus Hertlein

Im engen Austausch für das Servicekonto.NRW haben die IT-Experten auch relevantes Wissen erworben, das ihnen bei der Entwicklung der FlatCurve-App zugute kam. „Wir wissen, wie Verwaltung funktioniert“, sagt Markus Hertlein, „und wir haben die nötige Technologie, um Ämter und Bürger*innen zusammenzubringen.“ Je mehr Menschen die App verwenden, desto weniger müssen die Hotlines nutzen. Auf diese Weise hilft XignSys, die Hotlines der Verwaltung zu entlasten. 

Fachkräftenachwuchs vor der Haustür

Dass die digitalen Lösungen von XignSys eine Hilfe sein können, dokumentiert nicht allein die Tatsache, dass sie vier Jahre nach ihrer Gründung auf inzwischen mehr als 30 Mitarbeiter*innen angewachsen sind. Dabei profitieren sie auch von stark vernetzten Hochschullandschaft der Metropole Ruhr, insbesondere im Bereich IT-Sicherheit. „Für uns ist das genial“, sagt Hertlein über die Forschungslandschaft im Ruhrgebiet. „Wir hätten nicht so stark wachsen können, wenn wir nicht die Anbindung an die Hochschulen hätten.“ Der Fachkräfte-Nachwuchs wird schließlich direkt vor der Haustür ausgebildet. 

Dass nicht nur die enge Vernetzung innerhalb der Metropole Ruhr ein Vorteil sein kann, sondern auch die Vernetzung mit den benachbarten Regionen, zeigt XignSys ebenfalls. Denn mit dem Rhein-Kreis Neuss haben die Gründer einen Partner für die FlatCurve-App gewonnen. Hier wird die Anwendung in den kommenden Wochen erstmals gelauncht. Markus Hertlein wird dann mit seinem Team genau verfolgen, wie sich die App von dort aus weiterverbreiten wird. Dabei ist er sich sicher: Der Erfolg der App wird nicht davon abhängen, wie stark die Corona-Pandemie noch anwachsen könnte. Die digitale Unterstützung des Gesundheitswesens wird auch in einer Zeit, in der Corona keine Bedrohung mehr sein wird, gefragt sein. Dazu ist nur ein Blick in das Konjunkturprogramm der Bundesregierung nötig, das die Digitalisierung von Behörden forciert. Und damit kennen sie sich bei XignSys schließlich bestens aus.

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